Montag, 31.05.2010 - ZDF: 20.15 Uhr
Spielfilm des Tages
Auftrag in Afrika
Große Gefühle, falsche Freunde ... und die Seuche
Jetzt hat also auch Walter Sittler einen "Auftrag in Afrika" übernommen. Doch der sympathische Schauspieler ("Der Kommissar und das Meer") hat ein wenig Pech, dass sein eigentlich solider sambischer Savannenkrimi in ein wachsendes Verdrussgefühl hinein gesendet wird. Denn: Ein bisschen too much Afrika ists in diesen Vor-WM Wochen schon. Zu viele deutsche TV-Stars, die in furchtbar gut gemeinten, mal mehr, mal weniger missratenen Rührstücken im Khakihemd per Jeep über gefährliche Staubpisten Schwarzafrikas brettern, um sich in gestelzten Plots gemeinsam mit schlecht synchronisierten Einheimischen um etwas Aufklärung, wenn nicht gar die Völkerverständigung zu bemühen. Wer braucht all die Feigenblätter fürs schlechte Afrikagewissen in dieser geballten Form? Oder gilt die Melodramoffensive etwa den Fußballfans? Aber gut, der Film von Regisseur Sigi Rothemund nach einem Drehbuch von Daniel Maximilian und Thomas Pauli wurde schon 2008 gedreht, und die Ausstrahlung war ursprünglich für November 2009 vorgesehen ... Die Macher können also nichts für den Überdruss des Rezipienten.

Botschafter Sebastian Gerber (Walter Sittler) hat sich in der afrikanischen Steppe verletzt. Seine alte Freundin Karen (Katharina Abt) ist Ärztin und versorgt die Wunde.
Bild von: ZDF / Joe Alblas
Los gehts sowieso erst mal in Irland. Dort fällt Sebastian Gerber (Walter Sittler) mit inhaltlich völlig haltbaren, aber eben allzu offenen Aussagen bei der katholischen Kirche in Ungnade und wird deshalb abgesetzt. Ab nach Sambia! So lautet die Strafe des Außenministeriums für den mit einem losen Mundwerk gesegneten, undiplomatischen Spitzendiplomaten.
In der Verbannung erwartet den neuen Botschafter allerdings nicht etwa die große Langeweile, sondern natürlich geschieht das genaue Gegenteil. In Sambia rutscht der taffe Gerber aus dem Stand in ein - leider wieder mal schrecklich deutsch und vorhersehbar erzähltes - Potpourri aus großen Gefühlen, familiären Sorgen, skandalösen Machenschaften und unfassbaren Notständen hinein.
Eigentlich werden hier gleich zwei epische Geschichten verbunden. Zum einen das private Schicksal des hemdsärmeligen deutschen Botschafters, der in Sambia seine alte Liebe wiedertrifft: Karen (Katharina Abt) ist bei "Ärzte für Afrika" engagiert und leitet ein Krankenhaus. Damit nicht genug, will just in Karens Einrichtung seine überraschend aus Deutschland nachgereiste Tochter Lilly (Susanne Bormann) ein Praktikum absolvieren. Flammt vor groß gefilmter Exotik-Kulisse in der sambischen Steppe das alte Glück noch einmal auf?
Das wäre schon genug der Aufregung für, sagen wir, den Freitagabend im Ersten oder sonntags im ZDF. Hier aber soll es um mehr gehen. Um viel mehr. AIDS heißt das zweite große Thema dieses Films. Und es wird durchaus drastisch, mit erschreckender Glaubwürdigkeit vertieft. Die hierzulande erstaunlicher- und fahrlässigerweise schon wieder fast gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung verdrängte Krankheit hält Sambia, ein Land mit einer der höchsten HIV-Infektionsraten weltweit, brutal im Griff. Im Film gibt es kaum einen Einheimischen, der das Virus nicht in sich trägt, Ärzte wie Karen kämpfen einen scheinbar aussichtslosen Kampf. Zumal dem Krankenhaus die Medikamente ausgehen. Seit Monaten bleiben die Lieferungen mit einem von der deutschen Regierung subventionierten Mittel aus.
Als Karen und der Botschafter der Sache auf den Grund gehen wollen und dabei einen Skandal aufdecken, geraten sie in große Gefahr. Besonders pikant: Ausgerechnet Gerbers engster Vertrauter und Jugendfreund und jetziger Wirtschaftsattaché Klaus Märtens (Max Herbrechter) soll einer der Drahtzieher sein ...
Auch hier gibt es ihn leider, den obligatorischen, im Steppenloch havarierten Jeep, auch hier bereiten die teutonischen Gefühlswallungen in manch romantischer Savannennacht beim Zusehen Schmerzen, auch hier wirken einige Figuren dank undankbarer Synchronisation mitunter hölzerner als jeder Affenbrotbaum. Doch wenigstens quält "Auftrag in Afrika" sein Publikum nicht unnötig mit bunter Pseudo-Folklore und jener nervigen Afrika-Fröhlichkeit, die es wohl nur in der Vorstellung deutscher TV-Unterhalter gibt. Der engagierte Film nimmt sein Thema und sein Publikum ernst und macht um unschöne Wahrheiten keinen Bogen. Außerdem geben Walter Sittler und Katharina Abt auch im fernen Afrika gewohnt souveräne Vorstellungen.
teleschau der Mediendienst
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Andreas Kieling - Mitten in Südafrika

Botschafter Sebastian Gerber (Walter Sittler) ist überrascht: Seine einzige Tochter Lilly (Susanne Bormann) besucht ihn in Afrika.
Bild von: ZDF / Joe Alblas

Zeit für Romantik in der Savanne: Botschafter Sebastian Gerber (Walter Sittler) trifft seine alte Liebe Karen (Katharina Abt) in Afrika wieder.
Bild von: ZDF / Joe Alblas

Klaus (Max Herbrechter) ist deutscher Wirtschaftsattaché in Sambia und in schmutzige Geschäfte verwickelt.
Bild von: ZDF / Joe Alblas

Karen (Katharina Abt) und der deutsche Botschafter Sebastian Gerber (Walter Sittler) verlieben sich in Afrika erneut ineinander.
Bild von: ZDF / Joe Alblas

Fast aussichtsloser Kampf: Karen (Katharina Abt) behandelt in Sambia Aidspatienten.
Bild von: ZDF / Joe Alblas